Großes Interesse an der Einwohnerversammlung

Nahezu 250 Besucher in der Altenbürghalle

Auf sehr großes Interesse stieß die Einwohnerversammlung der Gemeinde zum Thema „Gemeindeentwicklung“ am Dienstagabend in der Altenbürghalle. Unter Einhaltung der geltenden Corona-Verordnung hatten sich nahezu 250 Zuhörer eingefunden. Bürgermeister Sven Weigt erläuterte eingehend die bauliche Entwicklung der Gemeinde in den vergangenen Jahrzehnten und das Spannungsfeld, in dem die Gemeinde und die Kommunalpolitik gerade beim Thema Gemeindeentwicklung stehe.
Viele suchen vergeblich ein Baugrundstück, ein Haus oder eine Wohnung
Beispielhaft nannte Weigt einige Rückmeldungen dazu. „Wir wohnen in Karlsdorf-Neuthard, haben zwei Kinder und suchen seit Jahren verzweifelt einen Bauplatz“, „wir wollen ein Haus kaufen  und finden keines“, solche und ähnliche Anfragen gingen seit langem nahezu täglich im Rathaus ein, hieß es. Mehr als 200 Interessenten für einen Bauplatz seien mittlerweile registriert.
Sorgen und Ängste vor zuviel Bebauung
Andererseits gebe es auch Sorgen und Bedenken in der Bevölkerung, so Weigt. Diese artikulierten sich in Aussagen wie „Die Gemeinde baut alles zu“, „Wir müssen uns nicht um den Wohnraum anderer kümmern“, oder „Ich habe Angst um die verbleibenden Naherholungsflächen.“
Die Kunst liege darin, so der Rathauschef, einen angemessenen Ausgleich zu finden zwischen der notwendigen Weiterentwicklung der Gemeinde und der Bewahrung des liebenswert-dörflichen Charakters. Keine leichte Aufgabe, verdeutlichte Weigt, doch eine notwendige und unumgängliche. Schließlich wäre es die vermeintlich einfachste und bequemste Lösung, wenn sich die Gemeinde auf dem Status quo ausruhen würde. Doch dann, betonte Weigt, wären mittel- und langfristig etwa Einkaufsmöglichkeiten, die Kinderbetreuung, die ärztliche Versorgung und manches mehr im bisherigen Umfang in Frage gestellt, weil die Einwohnerzahlen ohne maßvolles Wachstum zurückgehen würden und dann manche als heute selbstverständlich wahrgenommene Einrichtung mangels ausreichender Nachfrage schließen könnte. 
Gemeinde hat sehr bevorzugte und begehrte Wohnlage
Hier ging Sven Weigt auf die Grundsätze der Kommunalpolitik ein, die man in Karlsdorf-Neuthard seit 2007 verfolge, und zitierte Erkenntnisse der Bertelsmann-Stiftung zur Gemeindeentwicklung.
Demnach sei die Herausforderung, eine aktive Gemeindepolitik zu betreiben, die Karlsdorf-Neuthard für die Zukunft weiterhin als kinder- und familienfreundliche Gemeinde profilieren müsse. Zudem habe die Gemeinde durch die außerordentlich günstige strategische Lage an der Autobahn A 5 und der B 35 die Möglichkeit, auch Arbeitsplätze und Gewerbesteuer zu generieren. Dass Karlsdorf-Neuthard seit vielen Jahren einen kontinuierlichen, maßvollen Bevölkerungszuwachs habe, deshalb ständig etwa das Angebot für die Kinderbetreuung erweitern müsse und eine sehr beliebte Wohngemeinde sei, seien Tatsachen, über die sich viele andere Kommunen, die mit einem Bevölkerungsrückgang zu kämpfen haben, freuen würden, so Weigt. Allerdings bedeute dies seit Jahren stark steigende Grundstücks- und Immobilienpreise, ein gegenüber der immensen Nachfrage knappes Wohnraumangebot, und die daraus resultierende kommunale Aufgabe, mit Maß und Ziel Wohnraum vorzuhalten und neu zu schaffen. Je knapper das Wohnraumangebot sei, desto schwerer werde es gerade für Familien und Einzelpersonen mit kleinerem oder mittlerem Einkommen, bezahlbaren Wohnraum in der Gemeinde zu finden.
Die Lebenserwartung nehme zu, es gebe mehr Singlehaushaushalte, der Flächenbedarf je Person steige, und dies alles im Kontext zu einem starken Wirtschaftsraum in unmittelbarer Nähe zu attraktiven Städten und Wirtschaftszentren, was Karlsdorf-Neuthard zu einer sehr begehrten Wohnadresse mache sowohl für Einheimische als auch für Auswärtige, so der Bürgermeister.
Innenentwicklung vor Außenentwicklung
Anhand einer anschaulichen Präsentation unter anderem mit Luftbildern zeigte der Rathauschef die Neubebauung der Vergangenheit auf. „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ nannte Weigt einen wichtigen Grundsatz kommunalen Handelns, dem sich der Gemeinderat als Vertretung aller Einwohnerinnen und Einwohner verpflichtet fühle.
Demnach wurde in Karlsdorf vor allem das sogenannte Gerster-Areal, eine ehemalige Industriebrache, in ein Wohngebiet umgewandelt, ähnliches vollzog sich auf dem früheren Adam-Firmengelände und beim „Unteren Allmend-Tabakschopf“ oder in Neuthard im Gebiet „Alte Mühle“. Hier habe man zusätzliche Flächen gegenüber vorher entsiegeln können, sprich unterm Strich gebe es dort heute weniger überbaute Fläche als zuvor. 
Aktuell geplant seien in Neuthard neue Projekte und Wohngebiete unter anderem im Rahmen der Entwicklung der Ortsmitte von Neuthard rund um das Rathaus, auf dem Gredler-Areal sowie in der Jahnstraße („Auf das Dorf“).
Erweiterung Kohlfahrt im Blickpunkt
In Karlsdorf steht derzeit vor allem derzeit das rund 5,6 Hektar große Neubaugebiet Kohlfahrtswiesen-West im Fokus. Gerade gegen dieses gab es zuletzt einige kritische Stimmen, die eine zu massive Bebauung und zu großen Zuzug von außerhalb befürchteten, andererseits gibt es aber auch große Zustimmung von Bauplatzsuchenden.
Gar nichts mehr zu tun und alles zu belassen, sei jedenfalls keine Option, betonte Weigt: „Wir wollen und brauchen auch in Zukunft eine maßvolle Weiterentwicklung der Gemeinde, die unsere Infrastruktur sicherstellt“, nannte er die Richtschnur der Kommunalpolitik, die zugleich ein Spannungsfeld sei, denn im demokratischen Austausch und Ringen gelte es stets, die für die Gemeinde und alle Einwohner bestmöglichen Lösungen zu finden. Die Einwohnerversammlung sei ein Beleg dafür, dass die Sorgen und Wünsche der Menschen gehört würden und in die Überlegungen von Gemeinderat und Verwaltung einfließen würden, hieß es. 
Geteiltes Stimmungsbild von "es wird zuviel gebaut" bis zu "ein Neubaugebiet ist dringend nötig"
An den zahlreichen anschließenden Wortmeldungen spiegelte sich dieses grundsätzlich geteilte Stimmungsbild wieder.
Hier die Gegner vor allem des geplanten Neubaugebiets in der Karlsdorfer Kohlfahrt, die dies als negatives Paradebeispiel für eine als zu massiv empfundene Bebauung mit befürchteten Nachteilen für die Natur, die Wohnqualität, für nachfolgende Generationen, aber auch die Leistungsfähigkeit der Gemeinde in Punkto erforderlicher Infrastruktur sehen; dort die Befürworter einer Weiterentwicklung mit der Ausweisung von Neubaugebieten, sowohl Einheimische als auch Bauplatz- und Wohnungssuchende von außerhalb, die teilweise seit Jahren intensiv, jedoch vergeblich nach Wohnraum in Karlsdorf-Neuthard suchen und die das sehr knappe Wohnraumangebot noch als zusätzlichen Preistreiber sehen.
Auch das Thema „bezahlbarer Wohnraum“ wurde von einem Zuhörer angesprochen, der sich in diesem Bereich noch mehr Anstrengungen von der Gemeinde wünschte. Der Bürgermeister verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass die Gemeinde vergünstigte Baugrundstücke anbieten wolle und etwa beim Gredler-Gelände in Neuthard auch entsprechender Wohnungsbau geplant sei. (hut)

Und hier noch unsere Veröffentlichung am 28.7.2021 auf der Facebook Seite der Gemeinde: 
Wir blicken auf eine sehr interessante und spannende Einwohnerversammlung mit vielen konstruktiven Rückmeldungen und Wortbeiträgen zurück. Das Thema Gemeinde-Entwicklung bewegt viele, sonst wären nicht nahezu 250 Besucher gekommen. Für eine solche Veranstaltung fast schon rekordverdächtig, jedenfalls für die letzten Jahre. Wir haben uns über das große Interesse gefreut, zeigt es doch, dass unseren Einwohnerinnen und Einwohnern die Gemeinde (das sind wir alle) sehr am Herzen liegt. Deutlich wurde, dass es um ein sehr anspruchsvolles und vielschichtiges Thema geht, bei dem der Gemeinderat als Vertretung der Bürgerschaft sowie die Verwaltung den Spagat schaffen sollen zwischen einer wünschenswerten (und für den Erhalt des Vorhandenen notwendigen) maßvollen Weiterentwicklung der Gemeinde auch mit Bau- und Ansiedlungsmöglichkeiten für Privatpersonen und Gewerbe. Und auf der anderen Seite die Erhaltung einer liebenswerten und lebenswerten Gemeinde mit Charme, Natur und Geschichte. Beispielhaft hat Bürgermeister Sven Weigt gestern Abend dazu einige gängige Zitate genannt, die das deutlich machen: „Wir wohnen in Karlsdorf-Neuthard, haben zwei Kinder und suchen seit Jahren verzweifelt einen Bauplatz“, „wir wollen ein Haus/eine Wohnung kaufen und finden nichts“ - das hören wir im Rathaus seit langem fast täglich. Mehr als 200 Interessenten für einen Bauplatz sind registriert. Andererseits gibt es auch Sorgen und Bedenken in der Bevölkerung, die es ernstzunehmen gilt. Diese artikulieren sich in Aussagen wie „Die Gemeinde baut alles zu“, „Wir müssen uns nicht um den Wohnraum anderer kümmern“, oder „Ich habe Angst um die verbleibenden Naherholungsflächen.“ Die verschiedenen Meinungen kamen bei der Einwohnerversammlung ausführlich zu Gehör. Keine leichte Aufgabe also, alle Ziele und Interessen möglichst gut miteinander zu vereinen. Aber niemand hat gesagt, (Kommunal)politik wäre immer einfach. Wäre es da nicht die bequemste Lösung, sich auf dem Erreichten und dem jetzigen Stand einfach auszuruhen und gar nichts mehr zu tun? Wir meinen, das wäre der falsche Weg. Weil dann mittel- und langfristig die Einwohnerzahlen zurückgehen würden und dadurch etwa Einkaufsmöglichkeiten, die Kinderbetreuung, die ärztliche Versorgung und manches mehr im bisherigen Umfang in Frage gestellt wäre. Von vielen Gemeinden wird Karlsdorf-Neuthard für den bei uns noch vorhandenen, konstanten und maßvollen Einwohnerzuwachs geradezu beneidet. Nur, was ist der richtige Maßstab? Was ist zuwenig, und was ist zuviel? Darauf werden wir alle auch in Zukunft die richtigen Antworten finden müssen. Die Anregungen und Beiträge von gestern Abend werden jedenfalls für die künftigen Beratungen und Entscheidungen Eingang finden. Mit einer so interessierten und aufgeschlossenen Bürgerschaft, gemeinsam mit den weiteren Akteuren, allen voran einem engagierten und kompetenten Gemeinderat als Hauptorgan der Gemeinde, sind wir guter Dinge, dass wir auch diese herausfordernde Aufgabe zum Wohl unserer Gemeinde sehr gut meistern können!
 

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